Mein Leben als Pilger – von Wiebke Kötter (Fahrdienstleitung)
„Der Papst kommt, die Hauptstadt steht still!!“
Während Jannis (Fahrdienstleiter) mit seinen Bischöfen im überfüllten Berlin „kämpft“ verlassen wir die Hauptstadt lieber, Stephan und ich, auf dem Weg nach Erfurt, als Nachzügler: Auf zum Flughafen Erfurt-Weimar!
Albrecht (Fahrdienstleiter) hütet „unsere“ Phaeton, duchleuchtet vom BKA, inspiziert von den Sprengstoffhunden, blitzblank durch die fleißigen Fahrerhände.
Abends rein nach Erfurt downtown, merkwürdig ruhig, auffällig nur das sehr hohe Aufgebot an Polizei und das obgleich der Heilige Vater noch im Berliner Olympiastadion betet… landestypisch gespiesen, weiter mit Dirk (Fahrdienstleiter) zur Organistion, die letzten Vorfahrtsgenehmigungen abholen. Zurück am Fahrzeug Frage von der Polizei: „Dürfen Sie hier überhaupt sein?“ Wir wissen es nicht… Ein Eiertanz beginnt, auf vier Rädern, kein Rankommen an das gewünschte Ziel. Endlich alles beisammen; verdiente Bettzeit.
Der Morgen danach: der Papst kommt nach Erfurt. Albrecht verbringt Tag 2 auf dem Flugfeld, dem Papst ganz nahe!
Dirk ist in der Edith-Stein-Schule, fernab des Trubels, neben einem an der kapazitätsgrenze agierenden Freiwilligen, die Einsatzleitung des Bistums, allein an drei Telefonen. Fazit nach nur wenigen Stunden: „ Dieses Jahr brauche ich keine Vollis (Voluntäre) mehr!! Das ist ja hier wie bei der WM!! (Zur Frauen WM 2010/2011 hat Valet Parking & More nicht nur mit eigenen porfessionellen Chauffeuren den Fahrdienst für die WM durchgefürht, sondern auch mit den vielen fleißigen Voluntären). Die einen machen’s für’n Blatter und die anderen für’n Ratzinger! Von beiden werden sie ver… und trotzdem vergöttern sie die! Ich kapier’s net. Immer mehr erobern die Schule, auf der Suche nach Helfer-Shirt und Schlafplatz: “Ferienlager? Jugendherberge? Pilgerreise?“ Alles, irgendwie…!!
Ich stehe mit unserem Auftraggeber zu Füßen des Erfurter Doms, vermeintlich ruhig alles, eine überschaubare Zahl an Schaulustigen säumt den Weg, annähernd gleich viel Polizei in meinem Blickfeld. Auf einmal Hektik, ein paar Zwischenrufe, die Kolonne zieht vorbei, ganz nah, zum Greifen nahe, ein kurzer Wink vom Papst, dann ist alles vorbei. Die wenigen Menschen strömen auseinander, der Heilige Vater nimmt seinen minütlich durchgetakteten Weg zum Augustinerkloster, sprechen, essen, beten, zum Flughafen, nach Eichsfeld, Vesper mit 60.000 Gläubigen…
Ich fahre antizyklisch, zurück in die Hauptstadt, Kabilan hat geheiratet, ein wunderschönes weltliches Fest zum Ausklang der Erfurter Tage.
Samstag früh, einen Flug später als gewollt, Benedikt benötigt für seine morgendliche Messe in Erfurt ebenfalls länger – auf nach Freiburg!! Besichtigung der Einsatzzentrale in Freiburg: das Autohaus Gehlert, Tim (Fahrdienstleiter) umringt von unzähligen orange-farbenen Shirts, alles unter Kontrolle, alle zufrieden. Ich ziehe weiter, stadteinwärts, die Marketingabteilung von Valet Parking & More braucht Bilder. Das Freiburger Pflaster hinterläßt Spuren, Sneakers werden erworben, bequem und schnell geht’s in die Kaiser-Joseph-Straße, mitten im Strom Tausender Schaulustiger, Gläubiger – fühlt sich so einen Pilgerreis an? Am Rand der abgesperrten Straße Menschenmassen, was für ein Bild, gerade im Kontrast zur gestrigen Ankunft… Ich stehe günstig, Vorfahrt diverser Limousinen, kaum Reaktionen und eine Minute später verläßt das ersehnte Papa-Mobil die gegenüberliegende Hofeinfahrt, Jubel – hello again!!
Ein paar Sekunden später, alles vorbei. Die Massen strömen auseinander, zurück bleibt eine verdreckte Strasse, als wenn die Love-Parade vorbei gezogen wäre… Eine Frau neben mir: „Bin ich jetzt ein besserer Mensch?“ Ich kann es nicht beantworten…
Nun Vesperzeit: fündig geworden, ein schattiger Platz in einer studentischen Lokalität, Kaltgetränk und Ruhe – denkste: Public Viewing, der Heilige Vater live aus dem Freiburger Münster… Der Abend wird für Tim noch unerwartet hektisch; dann Heim in die kirchliche Unterkunft, Schlaf, wenigstens ein paar Stunden. Für alle geht’s spätestens um vier Uhr raus, draussen noch dunkel aber Treiben wie am helligen Tag, auf zum Flugfeld, die Messe steht an. Die Fahrt in unsere Zentrale dauert fast eine Stunde, für eine Strecke von 4 km, vorbei an Tausenden fröhlich erregten Pilgern, an unzählbaren Straßensprerren, Einsatzfahrzeugen der Polizei, die vorher noch niemand gesehen hat – die wollen doch nicht im Ernstfall dieses Gerät einsetzten…?? Jetzt bekommen wir eine Vorstellung davon, wie professionell und vermeintlich geräuschlos unsere Mudderstadt die wenigen Personen mit Sicherheitsstufe 1 daheim verarbeitet. Freiburg dagegen sperrt einfach alles!!!!
Mit unserer Einsatzleitung der Erzdiözese Freiburg auf einem gänzlich unprätentiösen Parkplatz von Real, Menschen mit einer Limousine glücklich machen, Fahrt zum nächsten geschmacklosen Gewerbeparkplatz von Ikea, zum Papst: da lang – ist klar…
Auf ZDF sieht man Benedikt XVI besser als von den Bänken in der letzten Reihe. Wir werden langsam müde, sehen nach den paar Stunden Schlaf in der gleißenden Sonne aber auch nicht schlimmer aus als der Papst… Zurück in die Zentrale: „Shuttlezentrale Frieden guten Tag“, die gute Frau Frieden leitet permanent Fahraufträge weiter, alles läuft dann irgendwie doch, im abgesperrten Freiburg. Eine letzte Rede im Konzerthaus, alle Fahrzeuge stehen bereit, kein Gast kommt… reicht jetzt auch. Eine letzte Sperrung, der Papst auf dem Weg zum Flughafen, unsere Fahrzeuge machen sich ebenfalls auf den Rückweg gesäumt von unzähligen Einsatzfahrzeugen der Polizei… Interessant war’s, das Leben als Pilger; „bessere Menschen“ sind wir nach den Einsatztagen nicht, nur müde, erschöpft und glücklich, das alles vorbei ist!!
Dank an euch, Albrecht, Dirk, Tim und Jannis, für diese spannenden Tage!!
Liebe Grüße
Wiebke